The Union – under construction

Am Anfang war ich beeindruckt. Und nachdem ich nun ein Semester am Union studieren durfte, bin ich noch immer beeindruckt.

Dies theologische Seminar traut sich etwas, setzt sich den Fragen und Themen unserer Zeit aus, geht in die Auseinandersetzung – ohne zu wissen, was am Ende sein wird. Hier wird nicht einfach „Theologie getrieben“, sondern etwas riskiert.

Sei es in Neuem Testament, der Versuch paulinische Theologie neu zu entwerfen; oder konsequent interreligiösen Dialog zu suchen oder afrikanische Religionen (Santeria, Vodou, Luccumi, Condomble, Rastafarianism) und ihre spirituelle Bedeutung zu „ent-dämonisieren“ und ernst zu nehmen.

Der „Lehrkörper“ – eines christlichen Seminars – umfasst muslimische, buddhistische, jüdische und „synkretistische“ Lehrerinnen und Lehrer (neben einigen christlichen). Dazu kommt das Konzept der unglaublich vielfältigen chapel-GDs.

Für die einen Studierenden bietet das Union zu wenig spirituelle Begleitung (ist also zu wenig traditionell christlich),  für die anderen geht das Union mit seinen Aufbrüchen nicht weit genug. Zwischendurch hätte ich gesagt, „dies Seminar ist in der Krise“; und vielleicht ist es das ja auch – aber gewollt.

Die Studierenden beschreiben selbst, dass das Miteinander hier häufig sehr anstrengend und gespannt ist. Und gleichzeitig sagen sie: „Wir werden nie wieder an einen Ort kommen, wo wir in einer solchen Vielfalt miteinander diskutieren.“ (Das finde ich einerseits erschreckend, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit in den USA weiterhin so getrennt ist – und ebenso ist es das Besondere, unbedingt zu Schätzende am Union.)

Für mich steht gar nicht so im Vordergrund, was ich hier an einzelnen, konkreten Inhalten gelernt habe, als vielmehr diese Haltung und Selbstverständlichkeit, mit der man sich in einem Kosmos verschiedener Religionen bewegt – sie respektiert und wertschätzt, mit gleichzeitiger scharfer Kritik an den kolonialen, unterdrückenden Strukturen der eigenen christlichen Tradition.

Tolle Erfahrung, weit weg von dem, was ich an „akademischen Lehrbetrieb“ in Deutschland erlebt habe.

Ein Gedanke zu „The Union – under construction“

  1. Es ist schön, dass du durch deinen blog ein Fenster öffnest ins Union, und in diese Stadt! Und nun klingt es auch schon ein wenig nach Abschied und Rückblick! Also auf bald!!

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