Bye. See you!

Die kleine Familienauszeit ist vorbei, – Lutz und Luis zurück in Deutschland. Wir haben einige schöne Dinge unternehmen können: Amateurnight im Apollo-Theater, Coney Island, Basketballspiel der New York Knicks gegen Denver Nuggets im Madison Square Stadion (das die NY Knicks mit Mühe gewonnen haben), Radtour am Hudson und der spektakuläre Blick vom One World Oberservatory auf New York (102 Stockwerke in 47 Sekunden).

Nachdem es die ersten Novembertage noch 20 Grad war, kehrt nun auch hier der Herbst ein. Meine Winterjacke ist im Koffer von Lutz und Luis gerade rechtzeitig angekommen.

Gruselig

Während wir die Halloween-Parade in Greenwich Village verfolgen, erfahren wir von dem Attentat auf dem Hudson Radweg….

Bei uns ist alles ok.

Ob gestern in Kettwig gesungen wurde: eg 362 ?

“Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt, tut er uns doch nicht, dass macht er ist gericht, ein Wörtlein kann ihn fällen.”                              Martin Luther 1529

Mich begleitet heute eher durch den Tag eg 678:

“Wir beten für den Frieden, wir beten für die Welt, wir beten für die Müden, die keine Hoffnung hält, wir beten für die Leisen, für die kein Wort sich regt, die Wahrheit wird erweisen, dass Gottes Hand sie trägt.

Wir hoffen für das Leben, wir hoffen für die Zeit, für die die nicht erleben, dass Menschlichkeit befreit. Wir hoffen für die Zarten, für die mit dünner Haut, dass sie mit uns erwarten, wie Gott sie unterbaut.

Nun nimm, Herr, unser Singen in deine gute Hut und füge, was wir bringen, zu Hoffnung und zu Mut. Wir beten für Vertrauen, wir hoffen für den Sinn. Hilf uns, die Welt zu bauen zu deinem Reiche hin.”                                                                                                            Peter Spangenberg 1989 (Melodie: Befiehl du deine Wege)

 

Women of God in Harrisburg

 

 

Von Washington D.C. ging es nach Harrisburg, PA fürs Wochenende. 1999/2000 habe ich dort als Associate Pastor in der Shared Ministry, UCC gearbeitet. Natürlich fahren wir bei “meiner” alten Kirche vorbei – und besuchen meine Kolleginnen: LaVette (s.o. mit Marc) und Mary (s.u. mit Kay). Damals haben wir in der Harrisburger Presse als “the women of God” Schlagzeilen gemacht.                    Schöne, fröhliche Abende mit viel Vertrautheit.                                        Am Sonntagmorgen in der Martin Luther King Baptist Church, in der LaVette in den letzten Jahren als Pastorin gearbeitet hat, erhält Luis von all den Familienmitgliedern und Freunden, die uns begeistert begrüßen, den Titel “Oh! You are the baby from the fridge!” (Oh, du bist das Baby vom Kühlschrank!  Meint: die letzten Jahre hing ein Photo von Luis am Kühlschrank, von unserem Besuch in 2005)    Luis hat’s mit Fassung getragen…. 🙄

Noch mehr Washington D.C.

Neben ganz viel “staatstragenden Gebäuden”, Memorials und Monumenten versammelt Washington eine Unmenge bedeutender Museen. Für das neu eröffnete “Museum of African American History and Culture” sind in den nächsten Monate keine tickets mehr zu bekommen.

Im Hirshhorn Museum ist zur Zeit eine Ausstellung von Ai WeiWei zu sehen; “traces” – Portraits von 170 Aktivisten, die sich für Frieden und Bürgerrechte einsetzen und inhaftiert wurden.

Imagine

 

 

 

 

 

 

Defend the world in which we live as if it were your child.                              It IS your child.

Defend it as if it were your lover.                                                                         It IS your lover.

When you inhale and when you exhale breathe the possibility of another world into the 37.2 trillion cells of your body until it shines with hope. Then imagine more.

Imagine rape is unimaginable. Imagine war is a scaraly credible rumor. That the crimes of our age, the grotesque inhumanities of greed, the sheer and astounding shamelessness of it, the vast fortunes made by stealing lives, the horrible normalcy it came to have is unimaginable to our heirs, the generations of the free.

Hold hands.

Share water.

Keep imagining.

So that we, and the children  of our children’s children may live.

(Aurora Levins Morales)

This country is in a mess

Rassismus – als Thema ganz obenauf in den USA und sehr schwierig für mich drüber zu schreiben.

James Baldwin – seine klare, scharfe Sprache und seine Gedanken zum Rassismus in den USA – sind eine Entdeckung für mich. Aus dem Buch “The fire next time”:

“If Harlem didn’t have so many churches and junkies, there would be blood flowing in the streets.”

“I do not know many Negroes who are eager to be “accepted” by white people, still less to be loved by them; they, the blacks, simply don’t wish to be beaten over the head by the whites every instant of our brief passage on this planet. White people in this country will have quite enough to do in learning how to accept and love themselves and each other, and when they have achieved this – which will not be tomorrow…. – the Negroe problem will no longer exist, for it will no longer be needed.”

“I was icily determined never to make my peace with the ghetto but to die and to go to hell before I would let any white man spit on me, before I would accept my “place” in this republic. … And yet, of course, at the same time I was being spat on and defined and described and limited, …”

“Therefore, whatever white people do not know about Negroes reveal, precisely and inexorably, what they do not know about themselves.”

“The word “independence” in Africa and the word “integration” here are almost equally meaningless… We are controlled here by our confusion far more than we know, and the American dream has therefore become something much more closely resembling a nightmare.”

“The only thing white people have that black people need, or should want, is power…White people cannot , in generality, be taken as models of how to live. Rather, the white man is himself in sore need of new standards, which will release him from his confusion and place him once again in fruitful communion with the depths of his own being.”

Ein Stimmungsbild dazu aus dem Union: das Thema hat hier sehr viele verschiedene Botschaften, in die wir alle verstrickt sind und die es schwierig machen.

Zum Beispiel: die african american und latinX Studenten verachten das Union als weiße Institution – den akademischen Lehrbetrieb orientiert an der weißen, europäischen Theologie ebenso wie die großen Ölgemälde, die in der social hall hängen und die Direktoren des Union seit 1836 zeigen – alles weiße, ältere Männer (abgesehen von der jetzigen weißen Direktorin) – und “ihre Leute” (black people) putzen hier die Toiletten und wischen die Flure. “I’m sick of it!” Gleichzeitig sind sie hier, um diese Institution zu nutzen, um ihren Abschluss  zu machen, den sie für ihre weitere Karriere brauchen. Sehr zwiespältig für sie selbst.

Wir, die weißen Kommilitonen, sind zum einen Teil des weißen Systems – genießen  alle Vorteile und Privilegien, die uns dies System bietet, – und zum anderen erleben unsere schwarzen Kolleginnen und Kollegen uns als nette Leute, wir haben miteinander gute Gespräche, lachen, essen gemeinsam Mittag.

Und umgekehrt genauso: ich lerne african american, latinX Kommilitonen kennen und schätzen, versuche ihre Erfahrungen wahrzunehmen – und gleichzeitig bin ich sauer auf sie, wenn ich wieder in dieser “weißen Schublade” lande und gehöre doch genau da hinein.

Die Beziehungen bleiben ambivalent, haben ein double-binding. Immer wieder die verschiedenen Ebenen. Emotional ganz schön anstrengend. What a mess!