New Yorker Gesichter: Max

Was macht New York so besonders? So lebendig und fesselnd? Einen grossen Anteil daran haben die New Yorker selbst und so kam mir die Idee, nach und nach einige der Menschen vorzustellen, die mir hier begegnen.

Ich sollte unbedingt mit Max beginnen, meinem Gastgeber – der für meinen Alltag im Moment eine grosse Rolle spielt und ein wichtiger Gesprächspartner für mich ist.

Zunächst einmal: Max ist ein sehr guter Koch und schmeisst hier den Haushalt im Apartment 21 b, während seine Frau im Moment die meiste Zeit in Arizona ist und ihren Vater versorgt (98 Jahre). Ausserdem spielt er Klavier und übt Mozart, während ich am Frühstückstisch sitze und meinen Blick über den Hudson schweifen lasse. Wunderbarer Einstieg in den Tag. (Zum Haushalt gehört ausserdem ein kleiner Hund – Pascal – dem ab und zu die Zähne geputzt werden. Macht das irgendjemand in Deutschland mit seinem Hund?)

Max ist 78 Jahre und Pfarrer im Ruhestand der United Church of Christ. Seine bewegte Lebensgeschichte beginnt in Indonesien/Jakarta.  Sein Vater,  erster Graduierter der theologischen Hochschule in Jakarta und Pfarrer einer Kirche dort, wird 1942 von den Japanern inhaftiert, weil er Widerstand gegen die japanischen Besatzung Indonesiens organisiert. 1944 wird er hingerichtet. Max ist damals 6 Jahre alt (er hat ein Bild von dem Baum, an dem sein Vater erhängt wurde).

1959 macht sich Max auf den Weg in die USA – 2 Monate unterwegs auf einem Frachter. 1970 wird er amerikanischer Staatsbürger.  Mit Tellerwäscherjobs u.ä. – ganz „klassisch“ – finanziert er sein Theologie-Studium. Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit werden seine Lebensthemen. In den 60er Jahren arbeitet er in Wahl-Registrierungsprogrammen für African-Americans im Bundesstat Mississippi mit. Er fährt als Beobachter für Friedensdelegationen nach Honduras und Nicaragua, unterrichtet 3 Monate in Kuba am theologischen Seminar.  Aufgrund seiner Verbindungen über die Friedensarbeit bekommt er eine Stelle als Gemeindepastor in Kanada angeboten. 15 Jahre arbeitet er in 2 Gemeinden in Quebec.

1984 kehrt er nach New York zurück und arbeitet hier 15 Jahre als Pastor in einer African-American Gemeinde und als Social Worker und Seelsorger in einem Krankenhaus. Danach ist er für die UCC in ökumenischen, internationalen Zusammenhängen tätig; z.B als Repräsentant der UCC in Osttimor. Als er 2004 in den Ruhestand geht, nimmt er sich vor, das zu tun, was er immer schon tun wollte…. (und im Berufsalltag nicht zu kam…????). Über den ÖRK (Weltkirchenrat) engagiert er sich in Projekten in Palästina / Israel (lebt und arbeitet einige Zeit in Ramallah).

Soweit mal in aller Kürze und ausschnitthaft. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Stationen und Aktivitäten erfasst habe. Sein Leitmotiv – ein Wort von Dr. Marin Luther King Jr.: „We are tied together in the single garment of destiny, caught in an inescapable network of mutuality. And whatever effects one directly affects all indirectly. I can never be what I ought to be until you are what you ought to be.“ (Was auch immer einen von uns direkt betrifft, berührt uns alle anderen indirekt. Ich kann nicht sein, die/der ich sein sollte – bis auch du bist, wer du sein sollst.)

Auf die Frage, was er an NYC  liebt, antwortet er: “ Die Vielfalt der Menschen! All diese verschiedenen Leute – und sie sind alle New Yorker.“   Sorgen macht ihm, dass New York mehr und mehr eine Stadt wird, wo das Geld „prominent“, also massgeblich wird und nicht mehr die Menschen. Und nach und nach nur noch die Reichen das gute Leben in NYC  geniessen können.

Mit wem er mal eine Tasse Kaffee  trinken möchte? Da fällt ihm niemand ein. Er kennt einfach schon Gott und die Welt. Ist mit Dorothee Sölle befreundet gewesen, hat mit Obama und Prinzessin Diana gesprochen und Robert di Niro getroffen.

Habe ich erwähnt, dass er ein wunderbarer, unkomplizierter und sorgsamer Gastgeber ist?                                                                           Auf jeden Fall  ein wichtiges New Yorker Gesicht.