Adventliche Orte

Woher bekomme ich eine Holzleiter?
Hm, der Malerbetrieb um die Ecke könnte eine Möglichkeit sein.
“Herr G., leihen Sie mir eine Leiter für die Adventszeit?
Nach Weihnachten bekommen Sie sie wieder.” “Ok.”

Ich habe das Bedürfnis, auch im “Haus der Kirche”
dem Advent ein wenig Platz zu machen.
Also baue ich mit Leiter und Sessel, Zweigen und Kalender
einen kleinen Platz zum Verweilen.

Bin gespannt wie oft ich,
– wie oft andere dort im Treppenhaus anhalten werden –
Atem holen, sich 5 oder 10 Minuten schenken.

“Seht, die gute Zeit ist nah,
Gott kommt auf die Erde.
Kommt und ist für alle da,
kommt das Friede werde,
kommt das Friede werde.

Hirt und König, Groß und Klein,
Kranke und Gesunde,
Arme, Reiche lädt er ein,
freut euch auf die Stunde,
freut euch auf die Stunde.”

Evangelisches Gesangbuch Nr. 18 (Friedrich Walz, 1972)

Raumfragen

Welche Liturgie wird durch welchen Kirchraum ermöglicht oder verhindert?
Haben Gottesdienstkonzepte sich an den Raum anzupassen oder umgekehrt?

Wieviel Veränderung ist möglich?

Auch die kleine Kirche St. Mary in Harlem, zu der ich öfters in den Gottesdienst gegangen bin, hat ihre Raumfrage angepackt.

Fridays for future – oder: Heute noch Luther`s Apfelbäumchen pflanzen

Luther’s ´Gemeinde-Apfelbäumchen von 2017

Wir sitzen zusammen und genießen die Sonne.
Was für ein schöner Tag.
Und gleichzeitig wissen wir, wie gefährdet, wie zerbrechlich diese Schönheit ist.
Aus dem Gleichgewicht gebracht durch unsere Maßlosigkeit.

Die Schöpfung feiern, respektieren und beschützen –
statt gedankenlos und bequem weiter machen.

Klima-Aktion der E. Kirche Kettwig. Einladung zum Alle für’s Klima-Picknick auf dem Platz vor der Kirche

Eingeladen….

Lukas 14, 15-24 Das große Gastmahl:
Der Tisch ist gedeckt. Der Hausherr lädt ein.
Erst mal drei Absagen: Acker gekauft, Ochse begutachten,
frisch verheiratet.
Keine Zeit.
Anderes ist wichtiger. Nächstes Mal.
Also die Einladung an die Armen, Blinden und Lahmen.
Sie kommen. Gerne.
Und auch noch die von den Straßen und Hecken.
Damit das Haus voll wird.

Eine alte Geschichte. Unser Thema: Zeit.
Wofür habe ich Zeit? Wofür nehme ich mir Zeit?

Die ersten drei mit ihren Absagen: Eigentlich unverschämt –
oder beneide ich sie ein wenig, dass sie sich so klar abgrenzen können?
Einfach mal sagen: Nein, ich habe keine Zeit.
Jetzt ist gerade was anderes dran.
Nicht noch was dazwischen schieben, obwohl der Tag eigentlich schon voll ist.
Für sich sorgen.

Oder lasse ich mich ansprechen von den Armen, Blinden und Lahmen in der Geschichte?
Mich unterbrechen lassen. Eigentlich war der Tag schon verplant.
Aber dafür nehme ich mir Zeit. Was für eine schöne Überraschung.
Ich freue mich, bin gespannt.
Zeit für etwas ganz Unerwartetes; ein Geschenk.

Zeit und Ort:
der gedeckte Tisch. Gedeckt mit Brot des Lebens.
Brot vom Reich Gottes, sagt Jesus.

Wo steht dieser Tisch?
Wo gibt es einen konkreten Ort, an den ich mich unbedingt einladen lasse?
Wenn dort der Tisch steht, komme ich – auf jeden Fall.

Das innere Bild in mir aufspüren und festhalten.
Da steht der Tisch.
Der Platz ist mir lieb und ich fühle mich dort willkommen und aufgehoben.
Ja, es gibt so einen Ort,
wo ein Tisch steht für mich mit Brot des Lebens –
dort erlebe ich Gemeinschaft, Begegnung,
Muße, Schönheit, – Freude, Entspannung.

Ich lasse mich einladen.
“Selig ist, wer das Brot isst am Tisch im Reich Gottes.”
Dafür nehme ich mir Zeit.

Sonntagmorgen Gesicht Nr. 3

Ein Gottesdienst zu Genesis 22, 1-14: Die Bindung Isaaks

VORHER
Schon wenn ich nur anfange, mich in das Geschehen hinein zu versetzen, kommen Abwehr und Schauder auf,- und auch Fragen,- z.B. wieso keinerlei Reaktion von Abraham auf Gottes Anweisungen kommt,- kein Schreck, keine Frage, keine Abwehr,  kein Widerspruch, keine Trauer, – nichts,- nur das Rüsten zur Reise. Der einzige, der nachfragt und das Geschehen nicht mit dem üblichen Opfervorgang zusammen kriegt, ist Isaak selber, und dem scheint die Antwort des Vaters zu genügen, dass Gott sich schon sein Opfer aussuchen wird. Dann liegt Isaak gefesselt auf dem Feuerholz,- und auch hier liegt die Dramatik im Nicht-Erzählten und Nicht-Erklärten………. Beweggründe, weitere Dialoge oder eben auch die entsprechenden Ängste und Emotionen sind komplett ausgeblendet…………. all das verstärkt mir nochmal den Eindruck einer Kunst-Geschichte, einer Parabel o.ä.,- aber diese nun auszulegen und in etwas “Vernünftiges” zu übersetzen,- ich wäre ratlos! Dieser Glaube und das Vertrauen sowohl von Abraham als auch von Isaak sollen möglicherweise sogar vorbildlich sein? Ich bin sehr gespannt auf deinen “Dreh”, Silke,- was wirst du aus dem Hut zaubern? Welcher Kontext und welche Vorgeschichte fehlen mir möglicherweise für das richtige Verständnis? Wie unverdaulich wird es trotzdem sein und bleiben? Ich bin gespannt….

NACHHER
Nun muss ich dieses Forum ausnahmsweise mal nach der Predigt nutzen… aber der Austauschbedarf bei diesem Text ist einfach hoch – ……in anderer Sitzform als dem Zuhörer-Block gegenüber der “Solistin” (im Sinne der Allein-Kämpferin…) wäre bestimmt noch erstaunliches laut geworden in der Kirche,- wer weiß!
Ich habe jedenfalls einiges mitgenommen und bin sehr dankbar dafür!
Die beiden Pole auszuhalten, bleibt tatsächlich an uns,- Angst/ Vertrauen, Gehorsam/Fragen, Opferbereitschaft/Vaterliebe etc .
Auch unser Leben enthält immer gegensätzliche Pole, es lässt sich nicht auflösen und wir halten es aus und entscheiden auch selber, ob wir z.B. aus diesem Text für uns vorrangig das Empörende holen oder das Mutige oder das spezifisch Jüdische… Ich bin froh, nun zu wissen, WIE zentral diese Geschichte im jüdischen Glauben ist, im Grunde wie für uns die Weihnachtsgeschichte.
Und dass es sich daher auch verbietet, sie als alt und überholt und martialisch abzutun. Was ich auch nicht wusste: Holocaust heißt “Brandopfer”! Aber was heißt das für die Juden? Dass sie sich selber mit Isaak identifizieren? Der geliebte Sohn= das erwählte Volk? Dass sie die Geopferten sind,- die tatsächlich Geopferten? Wo kein Engel dazwischen gefahren ist und die Gaskammern verhindert hat? So wie auch der geliebte Sohn Jesus am Kreuz ans Kreuz musste? Uff, hier wird’s schwierig….

Richtig gefreut habe ich mich über die Entdeckung, dass Abraham zu den Knechten sagt: Wir kehren zurück! WIR! Sicher will er die Knechte schonen,- aber trotzdem scheint mir das WIR wichtig und programmatisch. Aber es bleibt auch unheimlich, denn er legt seinen Sohn gebunden aufs Holz…. Trotzdem: Wir kehren zurück! Wunderbar!
Und was mir auch noch im Ohr ist: Trotzig glauben wir!
Nicht trotzdem,- trotzig! = Ich lass mich hier nicht kirre machen, auch wenn es zum verrückt werden ist!!

“exit RACISM” *

Grossartig, Otto Dix!

(1950, “Verkündigung” im Museum Unterlinden in Colmar)

Was für eine Ankündigung. Nicht nur, dass Maria wie ein kleines Schulmädchen, erschrocken und verweint, auf dem Stuhl sitzt ,- sondern dass der Engel, der ihr was zu sagen hat, schwarz ist! Wow, das ist mal eine andere Perspektive. Sehr selten, sehr mutig.

*exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen. Buch von Tupoka Ogette

Urlaub – oder: Nebel als spirituelle Erfahrung ;-)

Seit Stunden klettern wir den Hang hinauf, arbeiten uns an das Gipfelkreuz heran – und sehen …  nichts.

Nebel. Kein Berg weit und breit.Tiroler Alpen?
Keine Ahnung, wie die aussehen.
Seit wir hier sind, ziehen dicke Wolkenschwaden durch die Täler
oder Nebel  wabbert  über die Hänge.
Ich ärger mich. Bin genervt. Hab keine Lust mehr aufs Klettern.
Hatte mich auf die Ausblicke, das grossartige, erhebende Panorama gefreut.
Und jetzt diese graue Suppe. Sehe keine drei Meter weit.


Was sehe ich statt dessen?

Wunderschöne kleine Blumen. Die zarten Glockenblumen. Wolliges Gras. Flechtenbehangene Äste. Der kleine Bach rauscht ins Tal.

Wattige Stille. Ich setzte meine Schritte.
In Schlamm. Auf Schotter. Felsbrocken. In Gras und Kuhfladen, Schneefelder. Sicher. Federnd. Nach einer Weile schleppend. Mal rutsche ich. Stehe. Kibbel. Wieder ein Schritt voran.

Mein Ärger, meine Enttäuschung verlieren sich langsam.

Ich denke an Zen. “Beginner’s mind”:
Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich sitze, sitze ich.

Es gibt da für mich eine Verbindung zu Jesus:
“Das Reich Gottes ist mitten unter euch.” (Lukas 17, 21)
Wenn ihr sitzt, wenn ihr geht – in dem, was ihr jeweils in dem Moment tut, ist Gottes Reich mitten unter euch. Nicht dermaleinst, nicht jenseits…..sondern jetzt, mitten unter euch. Mit eurer Aufmerksamkeit für das, was möglich ist.