Tarik batu, tingi watu – die Marupa Tradition auf Sumba

Kaum aus dem kleinen Flieger gestiegen in Waingapu bringt Aldo, der uns abgeholt hat und zum theologischen Seminar fahren wird, erst mal zu den Gräbern der königlichen Familie. 2008 wurde in diesem Grab der letzte König bestattet. Seine Familie lädt uns zum Tee ein und wir tragen uns ins Gästebuch ein. Ihr traditionelles Holzhaus ist sehr einfach, aber alte Polstermöbel stehen im Gang. Die Marupa-Religion bzw. ihre Traditionen sind in Sumba erstaunlich lebendig. Die Bestattungen werden immer noch nach diesen Riten gefeiert; überall auf der Insel sind die besonderen Grabstätten zu finden. An dem Baum neben dem Grab sind die Schädel der geopferten Tiere zu bewundern. Auch die typische Architektur mit dem spitzen Dach ist auf Sumba nicht nur im Heimatmuseum zu finden, sondern weiterhin übliche Bauweise.

In Gesprächen kommt immer wieder die leise oder lautere Anfrage, wie man auf Sumba damit umgehen kann, einerseits die Traditionen und die mit ihnen verbundene Identität zu wahren und gleichzeitig ernst zu nehmen, dass die Tradition des Opferns so vieler Tiere z.B bei Beerdigungen durchaus zur bedrückenden Armut auf dieser Insel beiträgt – und eigentlich “geändert” oder beendet werden müsste.

 

Interessantes zur Marupa-Religion lässt sich auf dieser Homepage finden:  www.sumba-info.de

“Die Trauerfeier erfordert einen großen finanziellen Aufwand für die Hinterbliebenen, viele Trauergäste müssen anreisen, beherbergt und beköstigt werden. Eine entsprechende Zahl von Wasserbüffeln, Kühen oder Schweinen müssen geopfert werden. Deswegen können solche Zeremonien manchmal auch erst Jahre nach dem Tod stattfinden, bis genug Geld dafür da ist. In der Zwischenzeit werden die Körper der Verstorbenen im oberen Stockwerk der Häuser der Lebenden aufbewahrt oder provisorisch beerdigt.

Regional unterschiedlich und abhängig von der Bedeutung des Toten dauern die Aufbahrung und die Beerdigungszeremonie 3 bis mehr als 6 Tage. Chemische Hilfsmittel wie Formalin und andere sind heute im Beerdigungsprozess von Sumba selbstverständlich.

Beerdigt wird in Megalith Gräbern. Dabei gibt es Einzelgräber und “Familiengräber” in denen mehrere Tote Platz haben. Insofern gehört nicht zu jeder Beerdigung auch die im Folgenden beschriebene Zeremonie:

Die Megalith-Kultur in Sumba ist vor etwa 4500 Jahren entstanden. Sie lebt als Tradition heute immer noch, und das nicht nur für Anhänger des Marapu Glaube. Die Hünengräber sind quaderförmig mit einer Deckplatte über dem eigentlichen Grab. Sie ähneln Altären oder Tischen. Sie sind geschlossen mit einer darunter liegenden Grabkammer oder offen mit 4 Füßen und einzelnen Grabplatten auf dem Erdboden. Ältere Grabkammern aus Kalkstein bestehen aus einzelnen Segmenten oder sind aus einem Monolith innen manuell ausgehöhlt worden. Die unterschiedlichen Bauweisen und Ausmaße einzelnen Gräber entsprechen der Bedeutung der jeweiligen Familie. Das Material der Deckplatten ist heute meist noch aus Kalkstein oder bisweilen auch aus Beton und etliche Tonnen schwer. Diese Deckplatten gilt es mittels der Tarik Batu = Stein-Ziehen-Zeremonie an die richtige Stelle zu bringen:

Vor der Stein-Ziehen-Zeremonie, gibt es eine Reihe von Ritualen zum Beispiel zur Erteilung der Baugenehmigung zum Herausarbeiten des Steines aus einem Steinbruch oder Berg. Ein weiteres Ritual dient dazu, den Erfolg des Stein ziehen sicher zu stellen. So ein Stein wird dann an Lianen und über Bananenstämme über weite Strecken gezogen bis er schließlich seine Endposition erlangt und dort aufgeständert wird. Stein ziehen bedeutet harte Arbeit für viele Menschen und dauert manchmal viele Tage.

Das Ziehen der Steine erfolgt rhythmisch, begleitet von anfeuernden Gesängen. Die Männer sind für das Ziehen zuständig. In solche Zeremonien können heute zum Beispiel durchaus auch Lastwagen als Transportmittel eingebunden werden, wenn die Entfernung zur Grabstelle denn zu weit weg ist oder ein Nylon-Tau kann die Liane ergänzen. Egal, Hauptsache alle sind dabei und haben ihren Spaß!

Im Anschluss an diese Zeremonie werden die Grabsteine verziert. Traditionell erfolgt das mit Schnitzereien und Skulpturen. Die Darstellungen sind aus dem Leben des Toten und seinem Leben nach dem Tod entsprechend dem Marapu Glaube. Je nach Material des Steines und Geschmack sind auch kitschige Badezimmer Kacheln möglich.”

Food for the Gods

Götter, Vorfahren und sogar Dämonen müssen genährt – und so respektiert – werden. In dem dreigeteilten Kosmos des balinesischen Hinduismus (Erde, Menschen, Himmel) muss jede Welt ihren Anteil an Aufmerksamkeit – und Essen – bekommen. Das beste Essen gibt’s in Gottes Restaurant, den Tempeln.

Aber auch überall in Denpasar /Bali auf den Strassen stehen kleine Bastkörbchen, gefüllt mit Blumen, Früchten, Keksen, Zigaretten, Münzen o.ä. Diese Opfergaben auf dem Boden sind Essen für die dämonischen Kräfte der Erde.

Ein spannender Gedanke daran – neben der Alltäglichkeit, mit der diese Opfergaben in den Strassen von Bali auftauchen – ist die Verbindung von Himmel und Erde, die mit diesen Opfergaben hergestellt wird. Sehr konkret, handfest und praktikabel.

Das ist ja ein Thema religiöser Konzepte, Himmel und Erde zu verbinden, zusammen zu halten  und zu trennen. Im Christentum haben wir die Inkarnation, das Wort ward Fleisch; wir haben Himmelfahrt und “Vater unser,  dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden.”

Wenn dein Kind dich morgen fragt….

Wenn dein Kind dich morgen fragt … Genesis 6, 20

Schulgottesdienst. Kinder fragen.

„Wo war Gott, bevor die Welt war?“
Natürlich kann man darauf antworten „Ich weiß es nicht.“

Die Kinder im Schulgottesdienst haben lange darüber diskutiert
und eine Antwort war.
„Bevor die Welt war, war Gott auf dem Mars.“

Da lächeln wir erst einmal als Erwachsene.
Aber in dieser kleinen Antwort steckt viel Weisheit.
Denn die Antwort „Bevor die Welt war, war Gott auf dem Mars.“
sagt ja:
Gott hatte schon Zeit und Raum, bevor unsere Zeit und Raum begann.

Das ist eine große, tröstliche Antwort.
Und wie schön, dass Kinder nicht nur fragen, sondern auch antworten. –

Und manchmal unserem Erwachsenen-Glauben damit auf die Beine helfen.