Zu Besuch am Theologischen Seminar auf Sumba

Seit Januar diesen Jahres arbeitet Max (mein Gastgeber in NYC) am Theologischen Seminar der Gereje Kristen Sumba (GKS) – der christlichen Kirche Sumbas – als ein Freiwilliger von Global Ministries im Auftrag der United Church of Christ (UCC).

Er unterrichtet für ein Semester Kirchenmusik und Liturgie, gibt Kurse in Englisch – und ist theologischer Gesprächspartner für die Studentinnen und Studenten.

Das Seminar ist in dem kleinen (sehr kleinen!) Ort Lewa im Landesinneren von Sumba gelegen. Sehr ländlich, sehr einfach in den Lebensbedingungen. Es gibt eine “warunga” am Strassenrand – also eine Essensbude, wo man sich mal reinsetzen kann, um einen Kaffee oder Bier zu trinken, und einen Laden zum Einkaufen. Ich fühle mich sehr an unsere Partnergemeinde Bwagura in Tansania erinnert.

Vor 4 Jahren hat sich die GKS entschlossen, aus ihrer bisherigen Bibelschule ein theologisches Seminar zu machen, um ihre theologische Ausbildung selbst zu verantworten und auf eigene Füsse zu stellen. Seitdem versuchen sie, u.a. durch externe Dozentinnen und Dozenten, das theologische Profil der Schule  zu “upgraden”. Durch irgendwelche verschlungenen Kontakte aufgrund seines früheren Engagements für die Unabhängigkeit Ost-Timors kam Max ins Spiel – und natürlich weil er Indonesisch spricht.

Kurzer Überblick: Indonesien ist das Land mit der weltweit grössten muslimischen Mehrheit. Indonesier sind überwiegend Muslime, aber es gibt offiziell anerkannte religiöse Minderheiten, wie Christen, Buddhisten, Hindus. Da Indonesien komplett aus Inseln besteht (13.000!), realisiert man häufig nicht, dass Indonesien eines der grössten Länder der Welt ist. Die Bevölkerung umfasst 300 verschiedene ethnische Gruppen; es gibt über 700 verschiedene Sprachen, – aber alle sprechen auch das offizielle “bahasa Indonesia”. Der Leitsatz in Indonesien lautet: Einheit in Verschiedenheit.

Sumba ist eine der wenigen mehrheitlich christlichen Inseln, wobei neben den Kirchen die traditionelle animistische Marupa-Religion weiter einen starken Einfluss auf das Leben der Menschen hat. Beerdigungen, Hochzeiten werden nach den alten Traditionen gefeiert. Unser Fahrer erzählt uns von magischen Ritualen, die bewirken, dass eine Frau sich verliebt (in ihn 😉 ?) – und es beschäftigt ihn die Frage, inwieweit er als Christ sich diese Magie zu Nutze machen darf.

Auf den ersten Blick könnte man Sumba für ein tropisches Paradies halten, – abgelegene, herrliche Strände, traditionelle, wunderschöne Handarbeiten. Aber die Insel ist wirtschaftlich völlig unterentwickelt und die Armut ist gross.  Elektrizität – auch am Seminar – ist nur phasenweise und nicht verlässlich verfügbar. Die Studentinnen und Studenten tragen das Wasser, das sie für Abwasch oder Wäsche benötigen, in Eimern herbei. Einige Studenten können am Seminar in Schlafsälen wohnen, die meisten legen jedoch jeden Tag einen langen Fussmarsch zurück. Die Mahlzeiten – auch für Max – bestehen täglich aus Reis und Spinat (beides selbst angebaut) und Fisch.

 

 

 

Theologisch sehr konservativ ausgerichtet wird sich vorsichtig, so beschreibt es Max, an neue Themen herangetastet: feministische Theologie, kritische Interpretation biblischer Texte, Fragen von Homosexualität oder auch neue Formen von Spiritualität.

 

 

 

 

Hoch motiviert sind die Studenten, um später in ihren kleinen, abgelegenen Gemeinden gute Pfarrer sein zu können. Aber inwieweit darf jemand “von aussen” ihre Traditionen und Ansichten anfragen? Immer wieder ein Thema  zwischen Max  und den Studierenden, das Fingerspitzengefühl erfordert.

 

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