Kinderkirche – Der Weg Jesu ans Kreuz

 

Die Kinderkirche heute war eine echte Materialschlacht.
Drei Weg-Stationen haben wir in der Kirche aufgebaut:
Jesu Gefangennahme im Garten Gethsemane.
Jesu Verhör vor Pilatus.
Jesus trägt sein Kreuz nach Golgatha.

Es hat ganz gut geklappt mit den etwa 30 Kindern durch die Kirche zu wandern. Das erwartete Chaos blieb aus. Die Kinder haben sehr konzentriert, sich die jeweiligen Orte angeschaut – … und mit den Männchen gespielt. Kleiner Ausblick auf Ostern am Ende.

 

 

Die Entstehung der Oster-Engel

Engel – zu Weihnachten, an der Krippe, ja klar.
Aber Engel stehen auch am leeren Grab. Sagen zu den Frauen “Fürchtet euch nicht. Ihr sucht Jesus bei den Toten.
Da ist er aber nicht. Er ist lebendig.”

Oster-Engel – die mich vom Tod ins Leben führen.
Oster-Engel – die die Steine von meinem Grab weggräumen.

Welchen Engel brauche ich zur Zeit besonders?
Wobei müßte er mich begleiten?
In den KiTas bereiten wir die Engel für den Familien-Gottesdienst am Ostersonntag vor. KiTa Arndtstraße fängt an. Gemeinsamer Nachmittag mit Müttern und Kindern. Tolle Aktion und es entstehen wunderbare Engel.

Ein Engel der Leichtigkeit. Ein Engel des Friedens, der Harmonie.
Ein Engel des Frühlings und der Vorfreude.
Und ein Engel der Liebe und der Gesundheit.

“Eigentlich bin ich ganz anders…..

….ich komme nur so selten dazu.” (Ödön von Horvath)

Thema für die Fastenzeit.  7 Wochen anders leben.
Eigentlich… geht es darum, meinem Inneren, MIR auf die Spur zu kommen. Dazu kann es helfen, mal auf Schokolade oder Alkohol zu verzichten, – oder sich die Fragen zu stellen:
Wozu komme ich nie?
Was sind die verborgenen Seiten in meinem Leben?
Eigentlich bin ich ganz anders …. – überrasche ich doch mal mich selbst. Darin könnte viel Freude und Energie stecken.

 

“Love After Love”
The time will come
when, with elation,
you will great yourself
arriving
at your own door,
in your own mirror,
and each will smile at the other’s welcome
and say: Sit here. Eat.

You will love again the stranger
who was yourself.
Give wine. Give bread.
Give back your heart
to itself,
to the stranger
who has loved you
all your life,
whom you ignored
for another,
who knows you by heart.

Take down the love letters from the book shelf,
the photographs, the desperate notes,
peel your own image from the mirror.
Sit. Feast on your life.

Derek Walcott (1930- 2017)

 

Kettwig-UmGottesWillen.de

Am 21. 12. bin ich aus New York zurückgekehrt
und wieder in Kettwig.
Schwierige Umstellung.
Wie zwei Puzzlestücke, die nicht so recht zusammenpassen wollen.

Zu dem pastor-in-nyc.de Blog habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen – und die Frage “Warum schreibst du nicht weiter
– einen Kettwiger Blog?”
Ich bin etwas zögerlich, da ich nicht so recht weiß,
wie und worüber ich hier in Kettwig schreiben würde.
Da mir aber das Blog schreiben in New York viel Spass gemacht hat und eine gute, neue Erfahrung war, habe ich mich nun entschlossen, es einfach mal eine Weile hier vor Ort zu probieren und zu schauen, was daraus wird.

Ich freue mich über Rückmeldungen und Anregungen.
z.B. über den neuen Namen des Blogs 😉

 

Dritter Advent

Abraham Joshua Heschel                                                                                      (jüdischer Religionsphilosoph, Rabbiner; Warschau, 11.01.1907 – New York, 23.12.1972)

“Faith is primarily faithfulness to the times when we had faith. Maybe it’s  a moment (or more than a moment) of true communion with another person, a love that enlarges our sense of the world and our place in it. Maybe it even happens amid some intentional spiritual discipline that has felt dutiful for longer than you can remember. Whatever the case, these intrusions make us realize, if only for a second, how extraordinary existence is. And then they fade.  To have faith is to find some ways of perserving these moments and to remain true to them.

Faith is a tenuous, tenacious discipline of memory and hope.”

“Glaube ist vor allem Treue zu den Zeiten, als wir Glaube hatten. Vielleicht ist es ein Moment (oder mehr als ein Moment) echter Gemeinschaft mit einer anderen Person, eine Liebe, die unser Verständnis für die Welt und unseren Platz in ihr erweitert hat. Vielleicht ist es sogar mitten in unserer spirituellen Praxis geschehen, die sich schon lange nur noch wie eine Pflichtübung anfühlte. Was auch immer es war, diese Einbrüche lassen uns begreifen, und sei es nur für eine Sekunde, wie aussergewöhnlich unsere Existenz ist. Und dann sind sie vorbei. Glauben zu haben bedeutet, Wege zu finden, diese Momente zu bewahren und zu ihnen wahr zu bleiben. (Schlechtes Deutsch, aber ich mag diesen englischen Ausdruck sehr “to remain true to them”)

Glaube ist eine dürftige, hartnäckige Disziplin der Erinnerung und Hoffnung.”

 

New Yorker Gesichter: Lee

Doch noch ein paar Sätze zu Lee:

Er ist in den Südstaaten geboren und hat die letzten Jahre in Atlanta / Georgia gelebt. In seinem “ersten Leben” war er Ingenieur und hat als Dozent an der Uni in Atlanta gelehrt. Mit 50 hat er dann Theologie studiert (am Union seinen Abschluss gemacht) und ist Pfarrer geworden. Erst hat er eine kleine Episkopal-Gemeinde nahe Atlanta geleitet, später dann bei der “church without walls” mitgearbeitet. (homepages: Church of the Common Ground, Atlanta; oder:  Common Cathedral, Boston/Cambridge) Jeweils Projekte von Kirche für Obdachlose – in Atlanta z.B. werden jeden Sonntag im Park Gottesdienste für Obdachlose angeboten.

Jetzt mit seinem Ruhestand ist Lee nach New York gekommen – will hier 1-2 Jahre bleiben, besucht Veranstaltungen am Union ( z.B. NT: Galatians) und will etwas schreiben zu  griech. “kenosis” (Leerwerden, Entäusserung). Wie sieht der Zusammenhang aus zwischen Paulus und Buddhismus, dem paulinischen “In Christus sein” und inter-being bei Thitch Nath Hanh?

Schon lange praktiziert Lee Zen-Meditation. Er hat mich zu der Gruppe, die sich montags in den Räumen von Saint Mary’s trifft, eingeladen und mich mit Daiken, einem buddhistischem Mönch, der diese Meditation leitet, bekannt gemacht.

Sein Weihnachtsgeschenk: “Zen Mind, Beginner’s Mind”  😉

New Testament class

Das Reformationsjubiläum hat hier keine große Rolle gespielt. Am Union gab es am 31.10. z.B. keinen Gottesdienst. Die lutherischen Kirchen haben an dem Wochenende die ein oder andere Veranstaltung gehabt, aber dass dies Jubiläum in irgendeiner Weise die Öffentlichkeit beschäftigt hätte, kann man wirklich nicht sagen.

Dennoch: in meinem neutestamentlichen Seminar fand eine intensive Auseinandersetzung mit Luther und seiner Rechtfertigungslehre statt. Spannend!                                                Luthers sola fide, sola gratia haben ein prinzipielles “kontra” in die protestantische Kultur eingeschrieben – dem aus Glauben gerechtfertigtem Ich steht ein werkgerechter Anderer immer gegenüber. Diese Binarität hat die reformatorische Rechtfertigungslehre von Anfang  an begleitet; Glaube vs Werke, Evangelium vs Gesetz. Diese Antithesen wurden nicht nur theologische Waffe im Kampf gegen die katholische Kirche, sondern mit der gleichen Unerbittlichkeit auch gehen Juden, Muslime, Türken und andere “Andere” angewendet. Dieses im Kern der Reformation verwurzelte Feindbild des “Anderen” zu befragen und zu problematisieren, ist nicht nur eine theologische und exegetische Frage, sondern auch erforderlich angesichts heutiger politischer Entwicklungen und der Produktion  neuer Anti-ismen.

Hier ein paar angerissene Gedanken aus dem Seminar                      “Galatiens and the Other – Paul debates Luther”.                                    Ein etwas anderer Blick auf den Galaterbrief – Luthers Lieblingsepistel. Anstatt die andauernde, klassisch exegetische Frage zu verfolgen, ob Paulus nun die Bewohner Galatiens im Norden oder Süden der römischen Provinz Kleinasiens adressiert, haben wir damit ernst gemacht den historischen – politischen! – Kontext zu erheben. (In der bisherigen Forschung weitgehend vernachlässigt, erst in der neueren Paulusforschung ein Thema.) Welche Wirklichkeit konstituiert im 1. nachchristlichen Jahrhundert das römische Imperium? Auskunft geben dazu antike Quellen wie darstellende Kunst, Statuen, Gebäude, Münzen, Ereignisse wie Triumphzüge, Spiele, Gladiatorenkämpfe, Opferrituale.                               Pax Romana – durch Unterwerfung, Kontrolle und Bestrafung. So wurde die “Befriedung” im östlichen Galatien im Jahr 189 v. Chr. durch ein brutales römisches Massaker an 40.000 galatischen Frauen, Männern und Kindern erreicht. Auch wenn die polytheistische Götterwelt in den einzelnen römischen Provinzen weiter fortbestand, so war der römische Gott-Kaiser doch der einzige Gott, den alle (unterworfenen) Völker in dieser Form einer imperialen Religion als Gott verehren mussten. Der Cäsar war ihr gemeinsamer Erlöser, der sie ausbeutete und ihnen gleichzeitig “die Zivilisation” brachte – Strassen, Bäder, Recht und Ordnung. Der römische Herrscher-Kult war zur Zeit des Paulus DIE bestimmende, wachsende Religion, DER öffentliche Kult.

Paulus’ Schreiben an die Galater ist vor dem Hintergrund dieses “imperialen Monotheismus” und seiner Kritik daran, zu verstehen. Und so ist die nächste spannende Frage, inwieweit sich durch das Ernst nehmen dieses imperialen Kontextes ein neuer Blick auf die paulinische Theologie ergibt.

Kann man Paulus auch anders lesen – MIT den anderen anstatt gegen sie? So ist z.B. die Beschneidungskontroverse des Paulus (Galater 5) anti-römisch zu verstehen und NICHT anti-jüdisch. Widerpart ist hier nicht die Tora, sondern das römische Gesetz.

Mit einer solchen Sichtweise bricht ein ganzer Pfeiler klassischer, christlicher Theologie zusammen. Paulus kann nicht zum Kronzeugen für die Binarität von Juden – Heiden, Gesetz – Gnade, dem Selbst und den Anderen gemacht werden.

“In Christus” beschreibt Paulus ein neues Sein, ein neue Art Selbst zu sein – in Gemeinschaft, anstatt im Kampf und Konkurrenz mit den Anderen. “Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.” Galater 3, 28

Literatur: “Galatians re-imagined. Reading with the eyes of the vanquished.” Brigitte Kahl, 2010

“Juden, Muslime und Palästinenser: ein Disput zwischen Martin Luther und Paulus über die Rechtfertigung der Anderen.” Brigitte Kahl – in: Ulrich Duchrow, Hans Ulrich (Hg.), Religionen für Gerechtigkeit in Palästina-Israel. Die Reformation radikalisieren. 2017, S. 26-63