Dunkler Engel

Nach dem Familiengottesdienst am Ostersonntag bin ich mit dem Gefühl zurückgeblieben, dass etwas fehlte. – Auch wenn z.B die Engel der Liebe, der Gesundheit  oder der Leichtigkeit schwierige Erfahrungen angetippt haben, fehlte ein Ort in diesem Gottesdienst, wo Erfahrungen von Schmerz, Verlust und Tod sein konnten. Denn auch zu einem Familiengottesdienst kommen nicht nur Menschen in “happy clappy” Stimmung.

Es hätte auch ein dunkler Engel im Gottesdienst sein müssen – der Engel der Einsamkeit, des Schmerzes und des Verlustes. Der dort am Grab steht, die Frauen in ihrer Traurigkeit empfängt und mit ihnen ihren Schmerz aushält. Der keine einfache Antwort für sie hat, aber weiss: “Christus ist euch voraus”. Ihm hätten die sehr schweren und dunklen Steine zu Füssen gelegt werden können.

Diesen dunklen Engel habe ich heute in Aachen in der Citykirche entdeckt. (habe ein paar Urlaubstage)

“Kelim” (2015)  von Roland Mertens;

Ausgestellt zum Thema: Wo bleibt die Kunst, wenn das Land brennt?  (von Ana Sous)

“Während im Orient Dörfer und Städte zu Ruinen zerfallen und ganze Landstriche entvölkert wurden durch Bombenangriffe., den Terror islamistischer Milizen und die Interessenpolitik westlicher Mächte ….erreichen uns auch Nachrichten von der Zerstörung Jahrtausende alter Kulturschätze der Region. Doch welche Berechtigung hat die Frage nach der Kunst, wenn das Land brennt … und sich humanitäre Katastrophen abspielen?

Wie können sich Künstler mit diesen Verherrungen auseinandersetzen? Nicht Kriegsschauplätze und Flammeninfernos ….. zeigt Roland Mertens Gemälde, sondern einen einzelnen monumentalen Engel. Ruhig und versunken, mit einer fast verwunderten Aufmerksamkeit begutachtet er den Kelim in seinen Händen ….

Wer ist dieser Engel…… ? …ist er ein Geschöpf, der auf den Gang der Welt keinen Einfluss hat und – nachdem Krieg und Zerstörung die Menschen fortgenommen haben – der Einzige bleibt, der Gelegenheit hat zur Betrachtung von Kunst?”

Mein Oster-Gedicht

Ich sehe
den Himmel offen.
Ich spüre
die Kraft des Adlers.
Ich höre
milde Worte.
Ich gehe
auf neuen Wegen.
Ich teile sie
mit anderen.
Von Sonnenaufgang
bis Sonnenuntergang
singen sie
in unzähligen Sprachen
dein Lob,
feiern Auferstehung
rund um die Erde;
von Datumsgrenze
bis Datumsgrenze
feiern sie Gottesdienst.
Und ich gehöre dazu.

Grenzen sind gefallen.
Stürme haben sich verbraucht.
Fragen sind geklärt.
Dein gutes Wort ist angekommen.
Die Engel haben die Flügel abgelegt
und bleiben.

Du bist unsere
Zuversicht und Stärke.
Wir kehren um,
halten unsere Wunden
in dein Licht
und leben.

(von: Gerhard Engelsberger , “Von Achtsamkeit bis Zuversicht”,
Kreuz Verlag 2009, S. 212)

 

Fröhliche Ostern

Die Oster-Engel sind schon in der Kirche am Markt angekommen
und warten darauf, morgen das Osterfest zu feiern.

Schön, dass der Weihnachtsengel auch zu Ostern hier ist.
Dass er da geblieben ist bis zum Ende –
dass er am Grab stand und zu den Frauen sagte:
“Fürchtet euch nicht. Ihr sucht Jesus bei den Toten.
Da ist er aber nicht. Er ist lebendig.”

Er ist zu Ostern in Begleitung ganz vieler verschiedener Engel.
Oster-Engel – die uns vom Tod ins Leben führen.
Oster-Engel – die die Steine von unseren Gräbern wegräumen.

Einer dieser Engel ist ein Engel der Gesundheit.
Deshalb hat er neben dem roten auch viele grüne Herzen.
Ein Engel der Gesundheit – weil unser Leben so zerbrechlich und gefährdet ist.
Gesundheit ist nicht selbstverständlich und nicht „einfach so da“.
Darum ist es gut, einen Engel der Gesundheit an unserer Seite zu wissen.

Der Engel des Frühlings verkörpert die Vorfreude auf den warmen Sommer.
Er ist voller Energie, Farben, Leichtigkeit und guter Laune. Frühling ist die
Zeit des Neubeginns, der zarten aufkeimenden Kraft und der Sonne. Auf den
Flügeln hat der Frühlingsengel viele Kinderhände – Kinder sind wie der
Frühling: zart, unbeschwert, fröhlich und voller Energie!

Der Engel des Schlafes – weiß, wie oft wir nicht schlafen können,
weil die Kinder Bauchweh oder Ohrenschmerzen haben.
Er weiß, wenn wir wach liegen, weil wir Sorgen haben.
Der Engel des Schlafes möchte uns helfen, zur Ruhe zu kommen.
Er gibt mir die Erlaubnis loszulassen.
„Komm, ruh dich mal aus. Atme durch. –
Hab eine gute Nacht – mit dem Engel des Schlafes an deiner Seite.“

Und da sind auch zwei Engel der  Leichtigkeit und der Träume.
Manchmal schauen wir die hellen Wolken an im blauen Himmel
und dann stellt sich der Engel der Leichtigkeit an unsere Seite und sagt:
„Nimm es nicht so schwer.“
Oder er sagt auch: „Nimm dich nicht so wichtig.“
“Verzeih dir selbst auch mal Fehler, die du machst.
Sei freundlich zu dir selbst.
Und erlaube dir zu träumen.”
Dann hilft der Engel der Leichtigkeit mir, das Schwere für eine Weile loszulassen und Gott anzuvertrauen.

(siehe auch: “50 Engel für das Jahr”, Anselm Grün; Herder Verlag 1997)

Rund um die Kirche

Heute haben wir nun endlich die Seelenbretter rund um die Kirche am Markt “einpflanzen” können – nachdem die vergangenen Wochen entweder Bodenfrost oder anhaltender Regen das unmöglich gemacht hatten.
Es sind wieder wunderschöne Denk-Male geworden – mit ihren leuchtenden Farben und guten Texten! Mitten im Herzen von Kettwig.

Kunst und Kirche – “Fürchtet euch nicht”

In der Ausstellung “Compositions 03” (im Kunstraum Kettwig, Ringstr. 51 / Tor 1) habe ich ein interessantes Bild entdeckt. Titel: “Fürchtet euch nicht.” Mit dem Künstler Torsten Leukert diskutiert, ausgetauscht – was transportiert dieses Bild für eine “Wahrheit”?
Für ihn geht es um die Heilung eines Ortes. Diese Lichtung war bis in die frühe Neuzeit eine Richtstätte, wo Menschen an einer Gerichtseiche ihre vermeintlich gerechte Strafe empfingen. Ein neuer Tag erwacht. Ruhe, Klarheit, Schönheit  bestimmen nun diesen Ort.

Für mich ist es durchaus eine Interpretation von Karfreitag und Ostern. Die Zartheit, Verletzlichkeit und Wehrlosigkeit der Schwebenden heilt die Grausamkeit dieses Ortes.

Dann  haben wir uns entschlossen:
Wir werden einen Gottesdienst mit diesem Bild machen am 15. April in der Kirche am Markt.

Passionszeit

Krank sein, alt werden,
mit Einschränkungen leben müssen –
das taucht immer wieder auf
in Gesprächen in der Gemeinde.

Ein starkes Gedicht dazu:

 

Ich bin krank

ich arbeite nur
ungefähr eine Viertel
Stelle
Im Studium habe ich meist
etwa die Hälfte
vom normalen Programm gemacht
Ich schlafe
dreißig bis fünfzig Prozent mehr
als die meisten Menschen
Ich unternehme vielleicht ein Sechstel
von dem, was ich früher gemacht habe
In letzter Zeit esse ich auch nur noch
halb so viel
wie früher
Trotzdem lebe ich
ein ganzes
Leben

(Frauke Bielefeldt)

“Forget survival”

Symposium in Wuppertal auf dem “Heiligen Berg” –
“Gehst du noch hin oder partizipierst du schon?”

Ein paar anregende Gedanken aus der Diskussion:

“Besuche” ich Kirche oder habe ich teil an Kirche?
Die Spitze der “Partizipations-Pyramide”:
Entscheiden, gestalten, selbst verantworten.
(Ich “wohne” nicht nur in Kirche, sondern ich “lebe” in ihr)
Echte Partizipation wollen – ist allerdings eine ziemliche Herausforderung für die Institution … und die Hauptamtlichen.
Bedeutet z.B. loslassen theologischer Richtigkeiten – oder wie die Anglikanische Kirche es formuliert: “generous orthodoxy”.
Aber auch Machtverlust, Kontrollverlust – andere machen lassen.

Außerdem rutschen wir Hauptamtlichen immer wieder in die Schiene, Partizipation zu benutzen “UM ZU….” (s. Thema des Symposiums) Instrumentalisierungsfalle!
Das Spannende ist ja gerade, Partizipation als Haltung zu denken und einzuüben, WEIL es Kirche entspricht.
(Du bist Teil! – Das ist Abendmahl.)

Partizipation bildet Kirche –
aber hat nicht die Weiterexistenz von Kirche als Thema.
Also: Forget survival!

Kinderkirche – Der Weg Jesu ans Kreuz

 

Die Kinderkirche heute war eine echte Materialschlacht.
Drei Weg-Stationen haben wir in der Kirche aufgebaut:
Jesu Gefangennahme im Garten Gethsemane.
Jesu Verhör vor Pilatus.
Jesus trägt sein Kreuz nach Golgatha.

Es hat ganz gut geklappt mit den etwa 30 Kindern durch die Kirche zu wandern. Das erwartete Chaos blieb aus. Die Kinder haben sehr konzentriert, sich die jeweiligen Orte angeschaut – … und mit den Männchen gespielt. Kleiner Ausblick auf Ostern am Ende.